KI-Aktien mit Robotik-Exposure: Die unterschätzte Wette auf die zweite Welle
Wer „KI-Aktien" googelt, landet bei NVIDIA und Microsoft. Wer „Robotik-Aktien" sucht, bei ABB und FANUC. Beide Listen führen am Humanoid-Markt vorbei. Welche Werte 2026 tatsächlich Umsatz mit humanoiden Robotern machen — und welche Bewertung den Umsatz schon eingepreist hat.

Drei Listen erscheinen, wenn deutsche Anleger nach KI- oder Robotik-Aktien suchen: NVIDIA. Palantir. ABB und FANUC. Microsoft. Tesla. Alle drei sind nicht falsch — und alle drei führen am Geld vorbei, das mit humanoiden Robotern 2026 tatsächlich verdient wird.
Die mit Abstand klarste deutsche Humanoid-Aktie heißt nicht Tesla. Sie heißt Schaeffler, sie notiert in Frankfurt — und sie hat ihre Robotik-Fantasie zwischen Januar und April 2026 fast 40 Prozent abgegeben. Das ist der Befund nach einer Recherche, die das tatsächliche Humanoid-Engagement der wichtigsten Ticker in DACH-Reichweite gegen ihre Marketing-Aussagen prüft.
Die echten Profiteure: NVIDIA und Schaeffler
NVIDIA bleibt der wahrscheinlichste Gewinner — aber nicht aus dem Grund, den die meisten erwarten. Im Geschäftsjahr 2026 (zum 25. Januar 2026 geendet) verbuchte das Unternehmen einen Umsatz von 215,9 Milliarden US-Dollar, davon 2,3 Milliarden im Segment „Automotive and Robotics" — also rund ein Prozent der Gesamterlöse. Direkt mit Humanoid-Hardware verdient NVIDIA aktuell wenig. Was den Investment-Case dennoch trägt: Tesla Optimus, Figure 03, Boston Dynamics Atlas, NEURA 4NE-1, Unitree G1, Apptronik Apollo — sie alle laufen auf NVIDIA-Stack. Jetson-Compute im Roboter, Cosmos-Weltmodelle für die Simulation, Isaac Sim und Isaac Lab für das Training, das GR00T Foundation Model als gemeinsame Robot-Intelligenz-Basis.
CEO Jensen Huang erklärte auf der GTC 2026 im März, NVIDIA habe „mindestens eine Billion US-Dollar" an Bestellungen für die Blackwell- und Vera-Rubin-Plattformen bis Ende 2027 — eine Verdopplung gegenüber seiner Aussage von vor zwölf Monaten. Ein Bruchteil davon entfällt auf Robotik. Aber jeder humanoide Roboter, der ab 2027 in Serie geht, ist faktisch ein NVIDIA-Kunde. Die Bewertung — KGV deutlich über 50 — preist diese Hebelwirkung allerdings bereits ein.
Schaeffler ist die einzige deutsche Aktie mit nachweislichem Humanoid-Umsatz heute. Im November 2024 beteiligte sich der Herzogenauracher Konzern an Agility Robotics, dem US-Hersteller des Digit-Humanoiden. Seit März 2026 arbeiten Digit-Roboter im Schaeffler-Werk in Cheraw, South Carolina, in regulären Acht-Stunden-Schichten. Auf der CES 2026 stellte Schaeffler einen eigenen Planetengetriebe-Aktor speziell für humanoide Roboter vor. Im Januar 2026 folgte eine strategische Partnerschaft mit dem britisch-russischen Humanoid-Startup SKL Robotics (Markenname „Humanoid") für die Lieferung mehrerer Hundert Roboter. Im Februar 2026 wurde Schaeffler Embodied Intelligent Robotics in Taicang gegründet — die chinesische Robotik-Tochter.
Schaefflers eigener Robotik-Report vom Februar 2026 nennt die strategische Logik offen: Drehende und lineare Aktoren machen rund 50 Prozent der Stückliste eines humanoiden Roboters aus. Wer diese Komponenten in Großserie liefern kann, wird zum Schaufeln-Verkäufer der Humanoid-Welle — unabhängig davon, welcher Hersteller die Marke prägt.

Die indirekten Wetten: Hyundai und Microsoft
Boston Dynamics — Schöpfer des Atlas und Spot — gehört zu 80 Prozent zur Hyundai Motor Group. Im März 2026 berichtete der Korea Herald über eine implizite Bewertung von rund 20 Milliarden US-Dollar, basierend auf der Hyundai-Glovis-Beteiligungsanpassung. Das wäre eine Verzwanzigfachung gegenüber den 1,1 Milliarden, die Hyundai 2021 bezahlt hat. Auf der CES 2026 kündigte der Konzern an, ab 2028 jährlich 30.000 Atlas-Einheiten im Metaplant in Savannah, Georgia, zu produzieren — zunächst für die eigene Fertigung.
Für deutsche Anleger ist der direkte Zugang zur Hyundai-Aktie an der Korea Stock Exchange schwierig. Hyundai Motor handelt als ADR unter dem Symbol HYMTF in den USA. Ein deutscher Direktbroker wie Trade Republic oder Scalable Capital ermöglicht den ADR-Handel; die Position ist allerdings durch den Auto-Kerngeschäftsbereich (über 90 Prozent des Umsatzes) stark verwässert.
Microsoft hält eine Beteiligung an Figure AI aus der 675-Millionen-Series-B-Runde im Februar 2024. Eine zusätzliche, gemeinsam mit OpenAI geplante 500-Millionen-Investition wurde Ende Januar 2026 bekannt — bei einer kolportierten 1,9-Milliarden-Bewertung, die deutlich unter der späteren 39-Milliarden-Series-C vom September 2025 lag. Microsoft selbst stellt zugleich die Azure-Cloud-Infrastruktur für Figures KI-Training. Ob das den Wert einer Microsoft-Aktie messbar bewegt, ist eine andere Frage: Bei einem Konzernumsatz im Bereich von 250 Milliarden US-Dollar ist die Figure-Beteiligung Optionalität, kein Thesenkern.
Die OpenAI-Partnerschaft selbst — Microsoft hält 27 Prozent an OpenAI, bewertet mit 135 Milliarden US-Dollar (Stand April 2026) — gibt Anlegern zumindest indirekte Exposure auf die Embodied-AI-Wette, die OpenAI über sein eigenes Humanoid-Programm verfolgt.
Tesla: die Aktie, in der die Robotik-Wette bereits voll eingepreist ist
Elon Musk hat im Januar 2025 erklärt, 80 Prozent des langfristigen Tesla-Werts würden aus Optimus kommen — nicht aus Autos. Zwölf Monate später musste er im Earnings-Call vom Januar 2026 einräumen, dass „aktuell kein Optimus produktiv arbeitet" in Tesla-Fabriken. Die ursprüngliche 2025-Zielmarke (10.000 Einheiten) wurde komplett verfehlt.
Im Q1-2026-Earnings-Call vom 22. April 2026 verkündete Musk, die Optimus-Serienproduktion in Fremont beginne „Ende Juli oder August". Eine Stückzahl wollte er nicht nennen — es sei „buchstäblich unmöglich vorherzusagen". Die Capex-Prognose für 2026 stieg auf 25 Milliarden US-Dollar, das Free Cash Flow soll im Rest des Jahres negativ werden.
Tesla notiert bei einem KGV jenseits 300. Ein erheblicher Teil dieser Prämie ist die Optimus-Geschichte. Wer Tesla-Aktien kauft, kauft also eine Wette darauf, dass Optimus sich entgegen der Historie der vergangenen drei Jahre 2027 plötzlich materialisiert. Das kann eintreten. Es ist nur kein Sicherheitsabstand mehr in der Bewertung.
„Wer 2026 Optimus-Aktien kauft, kauft eine Tesla-Aktie mit Robotik-Aufschlag — und ohne einen einzigen kommerziell ausgelieferten Roboter zur Validierung der These."

Die Aktien, an denen die meisten Listen scheitern
„Robotik-Aktien" als Google-Suche liefert reflexartig ABB und FANUC. Beide haben ihre Hochzeit für Humanoid-Anleger hinter sich. ABB hat sein gesamtes Robotik-Geschäft im Oktober 2025 für 5,375 Milliarden US-Dollar an die SoftBank Group verkauft; der Abschluss wird für das zweite Halbjahr 2026 erwartet. Die ABB-Robotik-Marge sank 2024 um 39 Prozent gegenüber dem Vorjahr — der Konzern steigt aus dem Geschäft aus, nicht ein.
KUKA — der ehemalige deutsche Branchenprimus — ist seit 2016 in chinesischem Privatbesitz (Midea-Konzern). Für Privatanleger nicht direkt investierbar. FANUC und Yaskawa erzielen substantielle Umsätze mit industriellen Robotern, der Humanoid-Anteil ist allerdings im einstelligen Prozentbereich — die alte Geschichte, nicht die neue.
Was die Indizes wirklich abbilden: Robotik-ETFs für deutsche Anleger
Wer das Stockpicking-Risiko nicht eingehen will, erreicht das Humanoid-Thema über drei UCITS-konforme ETFs, die direkt an deutschen Handelsplätzen verfügbar sind.
KraneShares Global Humanoid and Embodied Intelligence Index UCITS ETF (Xetra-Ticker KBOT, ISIN IE000O6Z73N7): Der einzige reine Humanoid-Themen-ETF mit DACH-Listing. Seit Januar 2026 an der Deutsche Börse Xetra notiert. Investiert entlang der gesamten Humanoid-Wertschöpfungskette: Komponenten, Halbleiter, Integratoren. Konzentriert, nicht diversifiziert — explizit als Sektor-Tilt gedacht, nicht als Kerninvestment.
iShares Automation & Robotics UCITS ETF (Xetra-Ticker RBOT, ISIN IE00BYZK4552): Breit gestreuter Klassiker im Robotik-Segment seit 2016. Hauptpositionen umfassen US-Halbleiterhersteller, japanische Industrierobotik und automatisierte Lager-Logistik. Humanoid-Reinheit ist hier deutlich geringer — der ETF eignet sich für Anleger, die das breitere Automatisierungsthema spielen wollen, ohne auf einzelne Humanoid-Wetten zu setzen.
Global X Robotics & Artificial Intelligence UCITS ETF (London-Ticker BOTZ.L): Über Sekundärlistings auch in Deutschland handelbar. Top-Positionen: Keyence (9,4 Prozent), ABB (8,8 Prozent), NVIDIA (8,3 Prozent), FANUC (8,2 Prozent), Intuitive Surgical (6,6 Prozent). Erkennbar industrielastig, nicht humanoid-spezifisch. Über eine Zwölf-Monats-Sicht laut Anbieter-Daten zweistellig im Plus — aber genau dieser breite Mix erklärt, warum der ETF die humanoide Bewertungsfantasie nicht hebelt wie KBOT.
Die ehrliche Einordnung
Die Humanoid-Aktie als „zweite Welle des KI-Trades" funktioniert konzeptionell — aber sie funktioniert anders als die erste Welle. NVIDIA hat 2023 bis 2025 davon profitiert, dass Tausende von Datacenter-Kunden gleichzeitig GPUs kauften. Die humanoide Welle ist heute noch eine Welle von Produktionsstart-Versprechen für 2027 und 2028.
Die Aktien, die sich messbar bewegen, bewegen sich an Erwartungen — nicht an Lieferungen. Schaeffler zeigt das exemplarisch: vierfacher Anstieg in neun Monaten, dann ein 30-Prozent-Drawdown, weil ein verhaltener Ausblick die Robotik-Fantasie kurzzeitig entweichen ließ. Wer in dieser Phase Aktien hält, hält Volatilität, kein Cashflow-Investment.
Wer dennoch Exposure aufbauen will, sollte sich drei Fragen ehrlich beantworten: Über welchen Zeithorizont? Mit welchem Anteil des verfügbaren Kapitals? Mit welcher Toleranz für einen 30- bis 50-Prozent-Drawdown auf dem Weg dorthin? Eine Position, die in Schaeffler oder KBOT überlebt werden kann, ist eine andere Größenordnung als ein Optimus-Trade in Tesla — wo die Robotik-These einen bereits hoch bewerteten Auto-Konzern weiter verteuert.

Häufige Fragen
Ja. Der KraneShares Global Humanoid and Embodied Intelligence Index UCITS ETF ist seit Januar 2026 an der Deutsche Börse Xetra unter dem Ticker KBOT handelbar (ISIN IE000O6Z73N7). Er ist der einzige reine Humanoid-Themen-ETF mit DACH-Listing; konzentriert, nicht diversifiziert — und entsprechend volatil.
Funktioniert grundsätzlich, ist aber kein Humanoid-Pure-Play: NVIDIAs Automotive- und Robotik-Segment trug im Geschäftsjahr 2026 nur 2,3 Milliarden zu einem Konzernumsatz von 215,9 Milliarden bei. Wer NVIDIA kauft, kauft primär Datacenter und KI-Infrastruktur. Die Humanoid-Erträge folgen ab 2027 — entsprechend ist das KGV von über 50 bereits gepreist.
Beides hat Argumente, mit unterschiedlichen Risiken. Kurzfristig bewegt sich die Aktie zwischen Humanoid-Fantasie und der Realität eines zyklischen Auto-Zulieferers mit schwacher 2026er Guidance. Langfristig gilt das Argument, dass Aktoren rund 50 Prozent der Stückliste eines humanoiden Roboters ausmachen — Schaeffler ist der einzige notierte deutsche Konzern, der hier in Großserie liefern könnte.
Diese Frage hängt davon ab, wie viel des bereits jenseits 300 liegenden KGV-Aufschlags man Musks 2027-Optimus-Versprechen zuordnet. Die Q1-2026-Bilanz zeigt: produktiv arbeitende Optimus-Einheiten gleich null, Produktionsstart auf Juli/August verschoben, keine Stückzahl-Festlegung. Die Robotik-These ist eingepreist; die Umsetzung steht aus.
Über den Autor: Hannes Demske analysiert für humanoidmagazin.de börsennotierte und Pre-IPO-Werte im Humanoid-Segment. Co-Founder & CEO der SUNRISE Investment Group, seit 2024 mit Schwerpunkt auf Robotik- und Embodied-AI-Investments.
Quellen anzeigen (10)
- nvidianews.nvidia.com
- Schaeffler, Humanoid sign strategic partnership for hundreds of robots
- koreaherald.com
- Tesla pushes Optimus V3 reveal — Q1 2026 earnings call coverage
- Tesla misses on revenue but beats on profit as auto margins jump (Q1 2026)
- Aktie im Fokus: Schaeffler-Kurs bricht ein — Geschäftsausblick enttäuscht
- boerse-frankfurt.de
- group.softbank
- Robotics startup Figure raises $675 million from Microsoft, Nvidia, OpenAI
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